GESCHICHTE

„Ist die Welt noch zu retten?“ In Hinblick auf das Fristende der „Milleniumsziele“ war dies der Ausgangspunkt für SAVE THE WORLD I, das als interdisziplinäres Festivals in den Theaterwerkstätten auf dem ehemaligen Fabrikgelände in Bonn-Beuel an den Start ging. Herzstück des Festivals war ein begehbarer Parcours mit sechs Stationen zu sechs Themenfeldern. Künstler*innen und Expert*innen fanden sich in Teams zusammen und entwickeln gemeinsam einen ungewöhnlichen Beitrag:  Vom Online Game zur Weltrettung über den musikalischen Wetterbericht bis hin zur Berechnung des eigenen ökologischen Fußabdruckes mit Hammer und Meißel entstanden innovative Darstellungsformate, die den Zuschauer erleben ließen, wie es um die Welt bestellt ist. Zugleich präsentierte sich das Theater auf neue Art der Stadt: Bühnen, aber auch Werkstätten auf dem Gelände Beuel öffneten sich erstmalig für die Öffentlichkeit. Um unterschiedliche Zielgruppen zu mobilisieren, bot SAVE THE WORLD ergänzend zu den Themenschwerpunkten Theatergastspiele sowie ein unterhaltsames Rahmenprogramm mit Expertengesprächen, „Weltrettungsbörse“ mit Infoständen, Workshops für Kinder und Jugendliche sowie ein gastronomisches Angebot mit „kulinarischen Überlebenspaketen“.

Angesichts der Weltklimakonferenz 2015 stand die zweite Ausgabe ganz im Zeichen des Klimawandels: SAVE THE WORLD II beleuchtete die Ursachen und Folgen, fragte nach Verantwortung, suchte nach Lösungen und spekulierte, wie unsere Welt im Jahr 2030 aussehen würde. Für den Klima-Parcours wurden erneut sechs Themen ausgewählt, die die Komplexität und die Widersprüche der globalen Klimafrage im Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik und Kunst für die Besucher erlebbar machten: unter anderem bekamen sie vom Spokesman des Klimasekretariats Nick Nuttall und der Filmemacherin Claudia Lehmann den ersten Prototypen eines CO2-Absorbers präsentiert und wurden von Pop-Poet Peter Licht und Germanwatch-Geschäftsführer Christoph Bals mit einem Abgesang auf das endlose Wachstum musikalisch verabschiedet.

2016 stellte SAVE THE WORLD III junge Weltretter*innen ins Zentrum und entwickelte hierfür eigens das Format YOUNG PLANET – ein Kunst- und Wissenscamp. In fünf verschiedenen Workshops setzten sich Jugendliche mit spannenden Fragen rund um Umwelt, Zukunft und Nachhaltigkeit auseinander. Dazu waren sie unter anderem zu Gast bei bekannten NGO’s und Institutionen wie den Vereinten Nationen, dem Fraunhofer-Institut und dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Anschließend setzten sie ihr Wissen mit Künstler*innen für die Bühne um. Unter Anleitung der Musikerin und einzigen „Klima-Fee“ der Popmusik, Bernadette La Hengst, reduzierten die Jugendlichen den CO2-Ausstoß auf null und reisten mit einem selbst geschriebenen Lied um die Welt, während sie mit Designerin Eva Gronbach aus gebrauchten Jeans neue Mode kreierten. In einem Workshop der NGO Germanwatch analysieren sie live eingespielte Satellitenbilder und erforschten, wie sich die Herstellung von Smartphones auf die Ressourcen unseres Planeten auswirkt. Am Fraunhofer Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme lernten die Teilnehmer*innen alles über Roboter und den Menschen der Zukunft und am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) entwarfen sie mit Hilfe des niederländischen Künstlers Rob Vrijen Visionen für die Städte der Zukunft. Abschließend wurden die Workshop-Ergebnisse in einer theatralen Wissensshow, moderiert von Ralph Caspers, der Öffentlichkeit präsentiert.

Nach dem Motto „Kreativ das Klima schützend“ verließ SAVE THE WORLD IV anlässlich der COP 23 die Räume des Theaters und begab sich mit Künstlern, Experten und Aktivisten auf die weltpolitische Bühne rund um den UN Campus. Dabei bediente sich SAVE THE WORLD charmant drei unterschiedlicher Arten von Protestkultur: Mit dem Klimasong I’M AN ISLAND – offizieller Willkommensgruß der Stadt Bonn, von der Elektropopmusikerin Bernadette La Hengst und 300 protestierenden, singenden Kindern zur Rettung der Welt – wurde die Klimakonferenz vor Delegierten aus aller Welt eröffnet. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Bonner Klimabotschafter und der Stadt Bonn entstand darüber hinaus ein Video, an dem sich 500 Schülerinnen und Schüler beteiligten, die – ausgebildet zu kleinen Klimaaktivisten – für den Erhalt der Welt demonstrierten. Der Song wurde zum Zentrum der bundesweiten Kampagne zur COP 23 des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und erreichte über 2 Millionen Klicks im Netz (www.ich-bin-eine-insel.de). Die Helden der subversiven Protestbewegung aus den USA „The Yes Men“ – erstmalig in Deutschland mit einer Aktion und exklusiv für SAVE THE WORLD – sorgten im Rahmen der Crossroads Conference des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), als Vertreter der Trump Administration mit einer satirisch-utopischen Intervention für Aufsehen. Mit WHAT WHEN erschuf das britische Künstlerkollektiv Stan’s Cafe, einen „silent protest“ – einen Schilderwald aus einer Vielzahl von Sprüchen aus historischen und aktuellen Umwelt- und Protestkampagnen als Symbol für die Kraft von zivilgesellschaftlichem Engagement.