»endlich.« Das Augsburger Klimafestival

endlich. Das Augsburger Klimafestival
»endlich.«

Das Augsburger Klimafestival
19.5. – 22.5.2022

In Kooperation mit SAVE THE WORLD e. V., Performing for Future – Netzwerk für Nachhaltigkeit in den Darstellenden Künsten, dem Bundesverband Freie Darstellende Künste, der Kulturpolitischen Gesellschaft, dem Deutschen Bühnenverein u. v. a.

Schirmfrau: Claudia Roth (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien)

Unsere Ressourcen sind endlich, das wird angesichts der Klimakrise immer deutlicher. Die Menschheit steht vor einem großen Transformationsprozess und endlich – so scheint es – beginnen wir zu begreifen, dass planetarische Grenzen nicht dehnbar sind und nun unser tatkräftiges Handeln gefragt ist. Das Theater ist der Ort, an dem gesellschaftliche Konflikte und relevante Fragestellungen nicht nur öffentlich diskutiert werden können, sondern deren Auswirkungen auch sinnlich erfahrbar werden.

Wie wollen wir zukünftig leben? Was für neue Narrative und kulturelle Erzählungen werden uns bei dieser Transformation begleiten? Und welche Rolle kann die Kultur bei der Überwindung der Klimakrise spielen?

Das Klimafestival »endlich!« wird lokale und überregionale Player der kulturellen Nachhaltigkeitsdebatte an einem Ort versammeln sowie den Augsburgerinnen und Augsburgern vermitteln, wieviel kreatives Potential in der lokalen Nachhaltigkeitsbewegung steckt.

Zu diesem Zweck lädt das Staatstheater Augsburg wichtige Impulsgeber:innen ein, in Vorträgen und Panels die neuesten Erkenntnisse rund um das Thema Kultur & Nachhaltigkeit zu teilen, zeigt in einer Werkschau, wie vielfältig die deutschsprachige Theaterszene ästhetisch auf das Thema Klima reagiert, gibt den lokalen Akteur:innen eine Bühne und veranstaltet darüber hinaus eine Fachtagung, bei der sich Kulturschaffende aus ganz Deutschland über das Thema Nachhaltigkeit austauschen können.

Die wichtigsten Säulen des Programms sind:

Konferenz »Theater & Nachhaltigkeit«
in Kooperation mit dem »Performing for Future – Netzwerk für Nachhaltigkeit in den Darstellenden Künsten«, dem Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit, dem Deutschen Bühnenverein u. a. in verschiedenen Workshops, Panels & Diskussionsformaten zeigen Theatermacher:innen ihre good practice Strategien, teilen Wissen und knüpfen Netzwerke um den Kulturbetrieb inhaltlich und strukturell nachhaltiger zu gestalten. Das gesamte Programm finden Sie hier: www.staatstheater-augsburg.de/klimafestival

Werkschau »Ästhetik der Krise«
In szenischen Lesungen, Videobotschaften, Hörinstallationen und Ausstellungen werden die neuesten künstlerischen Annäherungen an das »Undarstellbare« gezeigt, werden Texte, Inszenierungen, Konzepte, musikalische Interventionen u.a. vorgestellt, die sich der ästhetischen Herausforderung stellen und sich mit dem Thema Klima auseinandersetzen.

Mit: Gastspielen aus dem deutschsprachigen Raum sowie eigenen Arbeiten des Staatstheater Augsburg inklusive Arbeiten der digitalen Sparte (VR-Inszenierung). U.a. mit Alexander Eisenach (Autor), Lily McLeish (Regisseurin), Sabine Harbecke (Autorin & Regisseurin), Daniel Breitfelder (Rheinranger), Dirk Kaftan (GMD Beethoven Orchester), Zoe Svendson (Dramaturgin), Lynn Takeo Musiol (Dramaturg*in), Christian Tschirner (Dramaturg), Bernhard Lang (Komponist), Dietmar Dath (Autor), Christopher Rüping (Regisseur), Manuel Rivera (IASS Potsdam)

Konzeption: Nicola Bramkamp, Nicole Schneiderbauer, Tina Lorenz, Vera Gertz, Sophie Walz und Ensemble

Marktplatz der Möglichkeiten
Der martini-Park verwandelt sich in einen Ort der großartigen Ideen und der bunten, klimaneutralen Vielfalt. Augsburger Nachhaltigkeitsinitiativen stellen sich und ihre Arbeit vor. Für das leibliche Wohl ist gesorgt, darüber hinaus wird ein vielfältiges künstlerisches Programm für die ganze Familie geboten. U. a. mit Greenpeace, Fridays for Future, Lokale Agenda Augsburg, Turbo Trash Klub, Klimacamp Augsburg, Junges Theater Augsburg u.v.m.

Programm-Highlights

Do 19.5.2022, 20.00 brechtbühne im Gaswerk
Wir können auch anders - Maja Göpel & Dota Kehr
Die Art, wie wir leben, wird sich fundamental verändern. Bisherige Selbstverständlichkeiten in Umwelt, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Technologie zerbröseln. Doch Maja Göpel macht in ihrem neuen Buch »Wir können auch anders« Mut: Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse verdeutlicht sie, wie wir solche komplexen Entwicklungen verstehen und dieses Wissen für eine bessere Welt nutzen können. Denn in der Geschichte hat es immer wieder Große Transformationen gegeben. Sie wurden von uns Menschen ausgelöst – also können wir sie auch gestalten. Und da jede Revolution mit gemeinsamem Singen beginnt, wird Maja Göpel den Abend gemeinsam mit der Musikerin Dota Kehr und Band gestalten. Unterstützt werden sie dabei von den Augsburger Philharmonikern. Dota und ihre Band machen fulminant austarierten deutschsprachigen Pop mit Substanz. Sie setzt sich ein für Frieden, Nachhaltigkeit und eine bessere Gesellschaft, politisch, poetisch, humorvoll. Ihre welthaltigen Lieder handeln von der Divergenz des Lebens, in ihren klugen Texten gibt es keine Kritik, keine politische Spitze, ohne die eigene Befangenheit rücksichtslos mitzudenken. Es ist Zeit, dass wir – jede:r Einzelne von uns, aber auch die Gesellschaft als Ganzes – uns erlauben, neu zu denken, zu träumen und eine radikale Frage zu stellen: Wer wollen wir sein?

Mit: Maja Göpel, Dota Kehr, Jan Rohrbach und den Augsburger Philharmonikern
Künstlerische Leitung: Nicola Bramkamp
Künstlerische Mitarbeit: Daniel Breitfelder

So 22.5.2022, 15.00, Martini Park
»Wie Plastik mein Leben veränderte - Story of a Ranger«
Performance
Der Stillstand der Pandemie sortierte das Leben des gebürtigen Augsburgers Daniel Breitfelder neu. Während die Theater geschlossen blieben, begann der Künstler und Schauspieler, die zwölf Kilometer lange Strecke des Bonner Rheinufers täglich zu säubern. Es entstand eine klimaaktivistische Kunstfigur: der RHEIN RANGER.
Als dieser setzt sich Breitfelder für die Verbreitung des Bewusstseins ein, dass es den Menschen möglich ist, durch ihre Konsumentscheidungen den Klimawandel aktiv aufzuhalten. Es zog unweigerlich eine radikale Umstellung seines Lebens mit sich: vegan, verpackungs- und leder/tierfrei. „Was es braucht ist eine Revolution, wir können nicht ewig auf die Politik warten“. Jede*r Einzelne kann etwas bewirken.
Neben der hohen regionalen Aufmerksamkeit sind bereits mediale Beiträge im WDR und ZDF entstanden. Im Sommer 2021 hielt der RHEIN RANGER einen TedTalk bei TEDXBonn.
Wie ein Ranger etwa in den Nationalparks Kanadas sieht er sich als Hüter und Animator zum Schutz unserer Welt, in der wir gemeinsam, solidarisch, in Frieden miteinander und allen Lebewesen existieren wollen. Seine Aktionen sind von der Dringlichkeit und radikalen Notwendigkeit getrieben zu handeln: JETZT. (instagram: @climatechanger_rheinranger)

Konzept & Idee: Daniel Breitfelder
Künstlerische Leitung: Julie Grothgar

19.30, Bühne Martini Park
Das Ende der Schöpfung

Szenisches Oratorium von Joseph Haydn & Bernhard Lang
Libretto: John Milton, André Bücker nach Lord Byron und Jean Paul, Dialoge: Dietmar Dath

Was geschieht, wenn sich der menschliche Teil der Schöpfung dem Ende zuneigt? Gehen die Kultur, die Zivilisation oder das Leben an sich zu Grunde? Wer oder was überlebt, verwandelt sich, passt sich an?
Staatsintendant André Bücker widmet sich der menschengemachten Apokalypse im Rahmen eines szenischen Oratoriums mit einer spartenübergreifenden Besetzung aus Sänger:innen, Tänzer:innen und Schauspieler:innen. Musikalisch schreibt »Das Ende der Schöpfung« klassische Traditionslinien in die Moderne fort.
Texte des visionären Science-Fiction-Autors Dietmar Dath ersetzen die Rezitative aus Joseph Haydns Oratorium »Die Schöpfung«, das Komponist Bernhard Lang, bekannt für seine innovativen Überschreibungen bestehenden Materials, um einen Abgesang ergänzt: Texte, Musik und Tanz verbinden sich zu einem komplexen Gesamtkunstwerk.

ANTHROPOS, TYRANN (ÖDIPUS)
von Alexander Eisenach
Die Tragödie des Anthropos ist die Tragödie des Menschen, der sich als unangefochtener Herrscher über den Planeten wähnte und seine Tyrannei ständig ausdehnte, bis er jeden Bereich des terrestrischen Lebens als Ressource ausbeuten konnte. Jetzt, da wir einer globalen Katastrophe entgegenblicken, weisen die Finger der Seher auf uns. Wir selbst sind die Schuldigen von Pandemien und Klimapest.
Die szenische Lesung geht hervor aus einer Inszenierung an der Volksbühne Berlin. Gemeinsam mit der Klimaforscherin Antje Boetius, die in der Inszenierung als Priesterin des Orakels von Delphi auftrat, stieg das Ensemble in die Tiefen von Mythos und Erdgeschichte, um an den tektonischen Verwerfungen des Verhältnisses von menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren zu forschen. Diese Arbeit wird fortgesetzt und weiterentwickelt. Die Lecture findet in immer neuen Konstellationen und Transformationen statt.

Mit: Johanna Bantzer, Sarah Franke, Vanessa Loibl und Emma Rönnebeck
Live-Musik: Sven Michelson
Regie: Alexander Eisenach

Frau H🔥lle 
Lynn Takeo Musiol kommt aus einer Arbeiter*innenfamilie der Chemie-Stadt Leverkusen. “Wenn du dich genug anstrengst, kannst du alles schaffen”, hatten ihre*seine Eltern gesagt. Inzwischen ist sie*er Teil einer privilegierten, urbanen Mittelschicht. Durch die Beschäftigung mit dem Klimawandel wird nicht nur ihr*sein Verständnis von Wohlstand und Fortschritt in Frage gestellt, sondern auch die von ihrer*seiner verinnerlichten Erzählung von gesellschaftlichen Aufstieg. Sie*er ahnt: Je erfolgreicher der Aufstieg, desto größer der Anteil an der Zerstörung der Welt.
Lynn Takeo Musiol zeigt einen Auszug aus der Arbeit Frau H🔥lle des Performancekollektivs les dramaturx, die im Herbst 22 auf dem ReEDOcate ME! Festival in der Floating University Berlin zu sehen sein wird.
les dramaturx ist ein Performance-Kollektiv der Dramaturg*innen Lynn Takeo Musiol und Christian Tschirner. Sie sind mit Fragen der Weltwahrung ebenso beschäftigt wie mit der Prosa der Verhältnisse. Ihr Motto “Gemeinsam sind wir gemeiner” haben sie dem Magazin EmanzenExpress von 1986 entlehnt. Ihre erste Arbeit Bitter Fields hat beim Festival OSTEN im Juli 2022 Premiere. Current Mood: 👨🏽‍🌾

Von und mit: Lynn Takeo Musiol

flüchtiges eis
nachrichten von morgen
Der Rückgang der Gletscher ist eines der sichtbarsten Zeichen der Klimakrise. Die Beschleunigung, mit der die Schmelze stattfindet, schockiert alle, die hinsehen und fordert zum Handeln auf.
«flüchtiges eis, nachrichten von morgen» ist eine zeitgenössische Revue, ein atmosphärisches, musikalisches Ereignis. Ausgehend von einer Eiskernbohrung auf dem Colle Gnifetti 4450 müM im Monte Rosa Gebiet wird von der Vergänglichkeit und von einer Zukunft mit Zukunft erzählt. Wer den Abend erlebt, begegnet mythologischen Gestalten, hinreissenden Pop Songs, Momenten purer Wissenschaft, dem sturen Optimismus, wird einen QR-Code aufrufen und erfährt Verbundenheit und Vereinzelung. Singt, feiert, trauert und wird mit dem Wissen rausgehen, dass wir unsere gemeinsame Zukunft – noch – bestimmen können.

Regie & Konzeption: Sabine Harbeke


Konzept & Künstlerische Leitung
Nicola Bramkamp (SAVE THE WORLD)
Produktionsleitung: Maria Trump
Dramaturgie & Kuration: Lutz Kessler, Vera Gertz, Sophie Walz
Künstl. Leitung Werkschau: Nicole Schneiderbauer, Tina Lorenz
Vermittlung: Imme Heiligendorff, Nicoletta Kindermann, Anna-Sophia Kraus
Sowie die Mitarbeiter*innen des Staatstheaters Augsburg

Foto: Staatstheater Augsburg